Philosophie

Meine Philosophie. Meine Kunst. philosophen
»Von allen Künsten ist die Metallbildhauerei buchstäblich die schwerste: Sie braucht von Anfang an Platz, Raum, Höhe. Sie verwendet auch nur die schwersten, die schwerwiegendsten Materialien – Eisen und Messing und Stahl und Bronze. Und sie entsteht mit Feuer und Schlägen, also mit Kraft und Gewalt, sie macht also Lärm, diese Kunst, sie produziert Krach, Dreck, Arbeit, Schweiß, Erschöpfung. Und dann wehrt sich das Material auch noch, es muss geschmiedet werden, stundenlang, und gibt dann doch nur einen kurzen Moment der Bearbeitbarkeit frei, bevor es wieder erkaltet.

Nichts ist leicht an der Bild-Hauerei, vor allem nicht an der Arbeit mit Eisen und Stahl. Ich glaube, dass man für die Arbeit mit diesen besonders harten Materialien selbst Härte haben muss, eine Bereitschaft zur Physis, zur Männlichkeit und zu einer Leidenschaft, die vor dem Leiden nicht zurückschreckt. Jedes meiner Objekte enthält meine persönliche Kraft und Energie, ich prügle, stampfe, schlage meine Ideen mit Hammerschlägen in glühendes Eisen hinein, das ist eine vulkanische Tätigkeit. Da fließen Kraft und Energie, da geht es um Spannung und Eruption, um Hitze und Erkalten. Ich denke, dass gute Bildhauerei diese Kraft und Energie in Skulpturen speichert – es ist ein Mysterium, wie das geschieht, aber es geschieht, es sind dann energetische Objekte, emotionales Territorium.

Durch diesenDSC_2978-066-01 kraftvollen Einsatz entsteht auch die kraftvolle, unverbildete Formen- und Materialsprache von Metallobjekten generell und von meinen im Besonderen. Meine Überzeugung war nun immer, dass sich in dieser Sprache am spannendsten die fragilen und zerbrechlichen Dinge ausdrücken lassen. Ihnen gehe ich nach, sie sind es, die ich in meinen Skulpturen aufspüren und sichtbar machen will: Liebe. Angst. Entwicklung. Denken. Hoffen. Leiden. Verloren gehen. Eine Wende nehmen. Brüche erleben. Diese Dinge sind unsichtbar, aber ich gebe ihnen mit dem Metall eine Form. Und zwar eine maximal konkrete, eine mit Ecken und Kanten. Plötzlich stehen im wahrsten Sinn des Wortes Große Gefühle im Raum, wir können einen Blick riskieren auf etwas, das unseren Blicken sonst entzogen ist. Das ist das, was mich interessiert. Dafür muss ich Formen finden. Und das Spannende ist, dass diese abstrakte Themen im überaus konkreten Material Metall ganz eigene Spannungsbögen ergeben: Die Unzerbrechlichkeit der Skulptur ist ein besonders spannender Rahmen, wenn die Zerbrechlichkeit von Gefühlen im Mittelpunkt steht; die Unverrückbarkeit und Stabilität einer meterhohen Skulptur wird plötzlich aufregend, wenn es um Flüchtigkeit geht.* Stahl, mit dem ich hauptsächlich arbeite, ist extrem hart und bringt den beschriebenen Spannungsbogen deshalb besonders gut zum Ausdruck. Und ich mag das Material Stahl auch deshalb, weil es auf den ersten Blick so starr und einfarbig erscheint, aber in den Händen des Bildhauers eine Fülle an Farben, Schattierungen und Formen freigibt, vor allem, wenn man wie ich die Unregelmäßigkeiten des Materials und die Bearbeitungsspuren der Bildhauerei in das Objekt mit einbezieht. Es ist mein Ziel als Künstler, elementare Kräfte freizusetzen, zu bündeln und sie dann an den Betrachter übergeben. Deshalb mag ich es auch, wenn meine Objekte berührt werden. Es ist ein guter Anfang, damit ich jemanden mit meiner Arbeit berühren kann.»